Weinwissen – Champagner und Crémant

Zweifelsohne ist Champagner der elaborierteste und hochwertigste aller Schaumweine. Aber, wie so oft, bietet die Weinwelt eine Vielzahl Alternativen, die das Leben ebenfalls lustvoll versüßen können.
Besonders die anderen großen Weinbauregionen Frankreichs abseits der Champagne haben da viel zu bieten. Neben einigen alten originären Schaumwein-Appelationen wie Vouvray und Montlouis an der Loire oder Blanquette de Limoux im Languedoc dürfen fast alle großen Weinbaugebiete in Ihrer AOC auch einen Crémant produzieren. Ein Crémant ist ein Schaumwein, der nach der gleichen traditionellen Methode der Flaschengärung, wie der Champagner produziert wird, nur dass der Grundwein eben nicht aus der Champagne sondern aus einem bestimmten anderen Anbaugebiet kommt. Besonders bekannte Herkünfte für Crémant sind die Loire, Bourgogne, Limoux, aber auch das Elsass und das Jura sowie seit einigen Jahren auch Bordeaux.

Weintipp: Champalou Vouvray Brut

Bei den Champalous aus dem beschaulichen Loire-Örtchen Vouvray, unweit der sehr historischen und daher sehr sehenswerten Städte Tours und Amboise, haben die Frauen die Hosen an. Mutter und Tochter kümmern sich um die mit 100% Chenin-Blanc bepflanzten Weinberge und die Weinbereitung.
Wer schon mal bei der jährlichen "Foire aux Vins de Vouvray" in den tiefgründigen und kühlen Tuffsteinhöhlen zu Gast war, wird schnell festgestellt haben, dass es leider auch hier große Qualitätsunterschiede zwischen den einzelnen Winzern gibt. Und wie zu erwarten, erzeugen nicht die billigsten den besten Wein.
Die Champalous machen bei der Folklore nicht mit. Die Damen muss man auf ihrem Weingut schon persönlich besuchen gehen. Dort erwarten einen blitzblanke Edelstahltanks und viele Holzfässern und sogar einige Beton-Eier, sowie eine eigene Giropaletten-Anlage zur Schaumweinbereitung. Die Weinberge werden mit größtem Respekt zur Natur bewirtschaftet, wobei man von Bio-Zertifizierung bewusst Abstand nimmt und gemäß den Prinzipien von TerraVitis arbeitet die eher der Nachhaltigkeit und der Integrität des Ökosystems rund um die Weinberge verpflichtet sind (agriculture raisonnée).

Der Vouvray Methode Traditionelle von Champalou ist von daher ein echtes Premium-Produkt unter den Vouvrays. Der auf der Hefe ausgebaute Chenin-Grundwein gibt ihm die feine Quittenfrucht, einen Hauch Exotik und eine Menge Kräuterwürze. Das lange Hefelager von 12-15 Monaten gibt die feine Perlage dazu und rundet den Wein mit weichen Briochenoten ab.

Solch ein Wein ist ganz klar eine echte Alternative zu einem guten Champagner, aber er ist weder besser noch schlechter, sondern schlichtweg eine sehr gute Visitenkarte für seine Herkunft und steht daher für sich. Die stillen Vouvrays von Champalou sind übrigens auch einen Versuch wert, wobei es mir da besonders die Barrique-Version "Le Portail" und der edelsüße "Les Tris" angetan haben. Aber das ist eine andere Geschichte!

Zu kaufen gibt es das zum Beispiel beim Franzosen in Bochum oder im Weinhof Rüttenscheid in Essen für ca 15-16 Euro.

Carménère – vom Stiefkind zum Superstar!

Die Rebsorte Carménère, welche eine natürliche Kreuzung von Cabernet Franc und Gros Cabernet ist, gehörte bis zur Reblauskatastrophe im 19. Jahrhundert zu den häufig angebauten Rebsorten im Bordelais. Bei der Neuanlage der damals vernichteten Weinberge gaben viele Winzer jedoch anderen Rebsorten, allem voran dem Merlot, den Vorzug, da dieser bessere Erträge bringt, weniger Ansprüche an den Boden stellt und unempfindlicher gegen das verrieseln ist (der übermäßige Abwurf von Blüten bedingt durch Feuchtigkeit, Kälte oder auch Wärme). Das führte zu einem fast vollständigen Verschwinden der Rebsorte in Frankreich.
Seit ca. 1850 wurde die Carménère auch in Chile angebaut. Die dortigen klimatischen Bedingungen, mit wenig Feuchtigkeit und milden Temperaturen, waren für die Carménère ideal. Anfang des 20. Jahrhunderts war das Wissen um diese Rebsorte schon nahezu in Vergessenheit geraten und man hielt die Carménère Reben, wegen ihrer optischen Ähnlichkeit, lange Zeit für eine Ausprägung des Merlot. Den geschmacklichen Unterschied des Chilenischen „Merlots“ gegenüber dem klassischen Merlot aus Frankreich vermochte jedoch niemand genau zu erklären. Zudem kamen die „alten“ und die neuen Merlot Pflanzen oftmals in Mischkultur in den Weinbergen vor, was eine deutliche Abgrenzung zusätzlich erschwerte.
Erst 1994 ermöglichten, die damals neuen, DNA-Analysemethoden dem Rebkundler Jean-Michel Boursiquot eine eindeutige Identifizierung der chilenischen Carménère-Reben.
1996 wurde dann vom Weingut Carmen der erste wirklich reinsortige Carménèrewein in Chile produziert. Schnell erkannten die Chilenen, dass sich hier ein einzigartiges Alleinstellungsmerkmal im internationalen Weinmarkt anbot. Seitdem entdeckten die chilenischen Winzer die Carménère für sich und gaben Ihr oftmals den Vorzug gegenüber anderen Rebsorten, wenn es um die Erzeugung von hochwertigen Weinen ging. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Carménère maßgeblich zum Erfolg und zum beeindruckenden Qualitätsgewinn des chilenischen Weins beigetragen hat. Heute (2015) wird Carménère in Chile auf über 11000ha angebaut, was gut 8% der Chilenischen Rebflächen ausmacht. Wobei der Cabernet Sauvignon mit über 30% immer noch führend ist.
Colchagua, Maule, Maipo und Curicó sind heute die Hauptanbaugebiete für hochwertige Carménèreweine.

 

Mein Weintipp:

Corral Victoria, Sello de Raza Carménère Gran Reserva 2014

Die kühlen klimatischen Bedingungen der Region Maule, in der das Weingut Corral Victoria liegt, ermöglichen eine vergleichsweise lange Reifezeit der Carménère Trauben. Handelt es sich doch um das südlichste Anbaugebiet der Welt für diese Rebsorte. Das Weingut liegt bei San Clemente ca. 30 Kilometer östlich der Provinzhauptstadt Talca. Die Böden des Weinguts sind geprägt von den Gletschern der nahen Anden, deren Schmelzwasser hier über Jahrmillionen vulkanisches Gestein und Sedimente abgelagert haben. So entstand eine fruchtbare Lehmschicht, die sich auf einen gut drainierten Kalksteinuntergrund stützt. Das sind ideale Wachstumsbedingungen für die tiefwurzelnde Carménère.
Inspiriert von den traditionellen chilenischen Pferdezuchtwettbewerben, bei denen nur das edelste und reinrassigste Pferd das Gütesiegel „Sello De Raza“ erhält, bekam der Premiumwein von Corral Victoria seinen Namen. „Sello De Raza“ steht hier nun für einen 100% reinsortigen und typischen Carménère-Wein. Daher kommen für diesen Wein nur die hochwertigsten Trauben des Weinguts zum Einsatz, die von Hand geerntet und verlesen werden.
Die Farbe des Weins zeigt sich intensiv Rubinrot mit leicht violetten Reflexen. In der Nase präsentiert sich der Wein mit einer intensiven und reifen roten Beerenfrucht. Noten von Trockenpflaume, Brombeere, Schwarzkirsche und feinen Gewürzen geben den Ton an. Im Mund zeigt er sich komplex mit Toastnoten, Vanille, Schokolade und Kaffee. Seine reifen Tannine sorgen für ein weiches und volles Mundgefühl, welches in einem langen und eleganten Finale endet.
Der Wein wird im Stahltank vergoren und danach 14 Monate lang in französischen Eichenholz-Barriques ausgebaut, die ausschließlich in Zweitbelegung verwendet werden, damit das Holz nicht dominiert. Danach kommt er auf die Flasche.

Erhältlich bei South Embassy Berlin, 24,90€

C’est l’heure de l’Apéro!

Ein gepflegter Apéritif gehört in Frankreich und anderen südlichen Ländern zu jedem Anlass, bei dem Gäste empfangen werden dazu. Es kann sowohl im privaten Bereich sein, wie auch im geschäftlichen. Sollten Sie mal einen Geschäftstermin in Frankreich haben, wundern Sie sich nicht, wenn es mitten in der Besprechung gegen kurz vor 12 heißt „C’est l’heure de l’Apéro!“. Die Geschäfte können warten - der Apéritif nicht!

Es ist auch nicht unüblich seine Gäste nur auf einen „Apéro“ einzuladen, bevor man dann ins Restaurant geht (wo es dann sicher nochmal einen kleinen Apéro geben wird…).

Ein Apéritif soll im Wesentlichen dazu dienen, den Appetit anzuregen und Lust auf das Menü zu machen, welches sich im Idealfall anschließt. Natürlich hat der Aperitif auch eine soziale Komponente: bei einem Glas bricht schneller das Eis und die ersten Gespräche zwischen Gästen und Gastgebern können sich in ungezwungener Atmosphäre entwickeln. Es wird Ihnen allerdings niemand verübeln, wenn Sie nach dem ersten Drink dankend ablehnen, um dem vorzeitigen Mittagsschlaf aus dem Weg zu gehen.

Der Aperitif kann im einfachsten Fall aus einer Flasche Weiß- oder Roséwein bestehen. Ein frisch-herber Rosé aus der Provence ist hier eine gute Wahl, beim Weißen empfehle ich einen Muscat Sec aus dem Roussillon oder einen verspielten Gewürztraminer aus dem Elsass. Beliebt ist auch die prickelnde Variante als Crémant in Weiß oder Rosé. Soll es etwas gediegener zugehen nimmt man natürlich gerne einen Champagner. Besonders gut finde ich in der Situation einen Brut-Nature Champagner ohne Dosage. Das erfrischt und macht Lust auf mehr. Weißwein lässt sich mit Hilfe eines Tröpfchens Crème de Cassis im Nu zu einem Kir verarbeiten. Für die „Royal“ Variante ersetzt man den stillen Wein durch einen Schaumwein. Ein guter Cidre gibt ebenfalls einen perfekten Apéritif ab.

In vielen Französischen Wohnzimmern (und Büros) verbirgt sich gerne in einer Ecke eine kleine Apéritif-Bar. In diese gehören auf jeden Fall eine Flasche Pastis, dem traditionellen südfranzösischen Anisschnaps: der Klassiker ist hier sicher der Ricard, wobei es auch hier eine Vielzahl kleiner und feinerer Hersteller gibt, wie zum Beispiel der Pastis Henri Bardouin von den „Distilleries de Provence“. Andere Marken sind Anis de Pontarlier, Marie Brizard, Anisette Gras Floranis, Janot, Duval, Pastis 45 und viele andere. Was ich gar nicht empfehle ist Pernod, denn das ist einfach viel zu süß und von künstlicher Aromatik. Pastis muss auch eine gewisse Herbe haben.

Die Dosierung erfolgt nach persönlicher Vorliebe. Bewährt hat sich ein Teil Pastis auf 4-5 Teile Eiswasser. Danach kann man nach Belieben noch Eiswürfel dazu geben.

Andere beliebte Apéritifs sind weinhaltige aromatisierte Drinks und Vermouth wie zum Beispiel Noilly Prat, Lillet, Byrrh, Ambassadeur, Guignolet oder Dubonnet, sowie die klassischen gespriteten Weine: Muscat de Rivesaltes (Lunel, Beaume de Venise, Frontignan etc.), Pineau des Charentes, Floc de Gascogne, Ratafia, Pommeau und natürlich Portwein. Frankreich ist nicht umsonst einer der größten Importeure für Port! Ergänzt wird das ganze durch Liköre wie den Crème de Cassis oder die Pêche de Vigne, die sich zum Mixen eignen. Dazu gesellen sich andere mehr oder weniger „exotische“ Spirituosen, Bitter und Liköre: zum Beispiel Suze, ein sehr herber aber süßer Likör aus Enzian, der häufig mit Cassis gemischt wird.

Ganz harte Jungs trinken Whisky „on the Rocks“. Ich erinnere mich da an meinen ersten Geschäftstermin damals in Paris bei einem Verlagshaus morgens um 11: „was willst Du trinken?“ fragte der Chefredakteur und eine Schublade voller Whiskyflaschen ging auf... oh je!

Zum Apéritif kann man einige Kleinigkeiten reichen, von einfachen Salzcräckern, Oliven und Nüssen bis hin zu kunstvollen Fingerfood-Häppchen stehen der Phantasie hier alle Möglichkeiten offen. Dies ist aber kein Muss, denn schließlich gibt es ja bald Essen!

Also: wenn es nächstes Mal bei Ihren französischen Freunden, Kollegen oder Geschäftspartnern freudig heißt: „C’est l’heure de l’Apero!“, dann sind Sie nach der Lektüre dieses kleinen Artikels gut vorbereitet und können beherzt und genussvoll mitmachen! A la votre!

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