30. September 2010

Der Weinheuer

Kategorie: Allgemeines — admin @ 09:08

Ab dem 9.10.2010 berät Sie Monsieur Piper im neuen Weinmarkt in Berlin-Tempelhof!

Neben einem Stammsortiment von ca 600 Weinen aus aller Welt, finden Sie bei uns auch eine exklusive Auwahl an hochwertigen Mineralwässern, Champagnern und Spirituosen. Natürlich können Sie auch viele Weine probieren, denn Monsieur Piper meint: “Vertrauen ist gut - probieren ist besser!”

Mehr Informationen demnächst hier: www.weinheuer.de

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10. November 2008

Sauternes einmal anders

Kategorie: Rezept, Verkostung — Monsieur Piper @ 22:52

Bonjour!

Da der 9. November 1989 für Madame und Monsieur Piper ein besonderes Datum ist, haben wir uns am Sonntag einer typischen, jedoch in in unseren Breiten leider vollkommen unbekannten, südbordelaiser Lust hingegeben, die ich als Sommelier immer wieder gerne zur Nachahmung empfehle.

Hauptdarsteller war eine Flasche Château Filhot Grand Cru Classé 1989

Filhot 1989

Dazu gab es ein herzhaftes Sonntägliches Mittagessen, wie man es im Südwesten schätzt.
Und wer jetzt an die klassischen Sauternes-Begleiter wie Foie Gras oder Roquefort denkt, wird vielleicht etwas überrascht sein. Denn wir tranken ihn zu einem einfach im Ofen gebratenen Freilandhuhn aus den Landes. Dazu ein paar in Entenfett mit Rosmarin und Knoblauch gebratene Kartoffeln. Et Voilà!

Als Vorspeise gab es kurz gegrillte Coquilles St Jacques mit Petersilien-Vinaigrette auf einem Feldsalat-Bett und einer Scheibe krossgebratenem Bacon. Dazu ein Muscat Sec aus dem Languedoc. Danach Käse und zum Dessert eine köstliche Himbeertorte von der Bäckerei Placebo in der Kastanienallee (Unser Tipp für feinen Kuchen!), die mit einem feinperligen Rosé-Crémant de Bourgogne begossen wurde.

Der Filhot aus dem monumentalen Jahrgang 1989 präsentierte sich in Bestform. Dickflüssig fast schon wie ein Likör aus der Flasche fließend, entfaltete er gleich den typischen Duft, den große Sauternes verströmen sollten. Die Farbe, ein klar leuchtendes Gelb, noch frei von jeglichen Alterstönen.
Im Mund trotz der schweren Süße und dank eines harmonischen und immer noch frischen Säuregerüsts, raffiniert und vielschichtig in den Aromen. Im Finale unbeschreiblich lang und delikat. So muss Sauternes sein! Dieser Wein wird sicher auch in den nächsten 20-50 Jahren noch ein Genuß bleiben. Schade, dass er nur noch so schwer zu bekommen ist…

Zum Umgang mit dem Wein:
Generell kann man einen alten Sauternes, wie unseren hier, gerne vor dem trinken ein bis zwei Stunden lüften.
Dekantieren ist bei alten Weinen mitunter auch keine schlechte Sache, da auch in unserem 89er ein ordentlicher Schluck Depot in der Flasche zurückblieb. Sauternes sind im Alter relativ robuste Weine, so dass vom dekantieren keine allzugroße Gefahr ausgeht.
Serviert wird ein Sauternes natürlich nicht zu kalt, da sich sonst seine Aromen nicht so schön entfalten können. Am besten auf gute 8 Grad runterkühlen und ihn dann im Glas auf ca 10-12 Grad kommen lassen.

Mehr Informationen zum Château Filhot gibt es hier.

15. Oktober 2008

120% Mourvèdre - zu Gast in Bandol

Kategorie: Verkostung, Weinreise — Monsieur Piper @ 20:51

Auf meiner letzten Reisen nach Südfrankreich, die ich mit einem kleinen aber feinen Zirkel deutscher Gastromen und Weinhändler angetreten hatte, wurde mir die Ehre zuteil von Comte Eric de Saint Victor auf seinem Weingut Château de Pibarnon in Bandol empfangen zu werden. Der äußerst sympathische Graf weihte mich nicht nur in die Geheimnisse der traditionellen Weinherstellung in Bandol ein, sondern lud auch noch zu einer umfangreichen Verkosten sowie zu einem delikaten Mittagessen auf seinem Anwesen ein. Darüber möchte ich nun in diesem ersten Artikel meines Weinblogs berichten.

Das Weingut Château de Pibarnon in seiner heutigen Form ist noch gar nicht so alt. Erst 1978 kauften die Eltern Saint Victor das 300 Meter hoch gelegene und 3,5 Hektar kleine Weingut in mitten der Berge oberhalb von Bandol. Viele der alten terrassenförmig angelegten Weinberge wurden hinzugekauft und restauriert. Mittlerweile verfügt Eric de Saint Victor, der vor ca 15 Jahren die Leitung übernahm, über 50 Hektar.
Heute zählt das Chateau de Pibarnon zu den allerbesten Adressen in Bandol und Umgebung, was sich leider auch etwas im höheren Preis der Weine niederschlägt. Aber herausragende Qualität hat diesen nunmal!

Hier die Aussicht auf das “Amphithéatre” genannte und mit kostbaren Weinbergen bestückte Tal oberhalb von Bandol, welches fast komplett zu Pibarnon gehört. Das Mittelmeer ist gleich hinter der Bergkette auf dem rechten Foto. Es ist nicht einfach aus diesem Boden einen Weinberg zu machen, denn teilweise stecken in den Hängen so große Felsen (la roche mère “der Mutterfelsen”), dass man sie mit Dynamit bearbeiten muss, um die Terrassen anlegen zu können…

Nicht nur, dass dieses Weingut einen herausragenden Ruf für seine Weine genießt - das Anwesen an sich ist schon ein wahres provençalisches Schmuckstück. Es ist umgeben von äußerst gepflegten Gartenanlagen mit Zitronenbäumen, Palmen, Agaven und der ganzen Vielfalt der meditteranen Vegetation.

Doch nun zum interessanten Teil: Die Weine.
Hinein in die Kellerei geht es durch diese Pforte, nachdem man als unangemeldeter Besucher die alte Glocke geläutet hat. Sonnez la cloche!

Eric de Satin Victor und Monsieur Piper

Zunächst wurden in der Kellerei die frischen Weiß- und Roséweine von Pibarnon aus den beiden letzten Jahrgängen 2007 und 2006 verkostet. Eine willkommene und vor allem labende Erfrischung!
Die Rosés setzen sich zu jeweils 50% Cinsault und Mouvèdre zusammen, die natürlich getrennt vinifiziert werden. Die weißen sind eine Cuvée aus 30% Bourboulenc, 40% Clairette und 30% Viognier.

Da wir gerade zum Zeitpunkt der Lese auf Pibarnon waren wurde wir sozusagen gleich “Live” in einige Geheimnisse des traditionellen Weinbaus eingeweiht. Die Weine werden in Stahltanks vergoren wobei der Tresterhut nach dem klassischen Verfahren des “Pigeage” täglich untergestossen wird. Eine harte Arbeit für die Kellermeisterin und ihre Gehilfen! Die Mazeration dauert 3 Wochen. Danach kommen die jungen Weine für 18 Monate in die klassischen Holzfuder mit 6 Hektoliter fassungsvermögen, wobei sie die malolaktische Gärung durchlaufen. Danach werden sie ohne jeglichen Einsatz von neuem Holz abgefüllt. Lediglich der Zweitwein “Les Restanques” (70% Mourvèdre, 20% Grenache und 10% Alicante) darf für 8 Monate ins neue 450l Barrique und kommt anschliessend für 4 Monate ins Eichen-Fuder.

Auf Pibarnon kommen nur natürliche Hefen aus dem Weinberg und dem Keller zum Einsatz. Da die Ernte ja nicht an einem Tag eingebracht wird, werden die Gärbottiche einer nach dem anderen in Betrieb genommen. Deshalb werden auch die Hefen aus den ersten Gärbehältern erst mal in großen Wannen vermehrt und dann von einem Cuve zur nächsten weitergereicht. Das sieht dann so aus:

Nun aber zu den 120% Mourvèdre: beim Rosé bleibt der Saft der Trauben nur kurze Zeit an der Maische bis er seine charakteristische helle Farbe bekommen hat. Danach wird der Saft abgezogen und vergoren. Was aber passiert mit dem Rest der Trauben und den tanninhaltigen Schalen? Genau! Sie kommen mit in die Cuves in denen der Rotwein aus der Mourvèdre bereitet wird. Dadurch erhält man natürlich mehr Extrakt, womit ein Teil des Geheimnisses dieser außergewöhnlich kräftigen Rotweine gelüftet wäre. Zur Abrundung der Cuvées werden noch ca 10% Grenache hinzugegeben.

Die anschließende Verkostung der roten Pibarnons im großen lichtdurchfluteten Verkostungsraum war überaus unterhaltsam, da der Comte nicht mit Anekdoten und lehrreichen Details geizte!
Es wurden 6 Jahrgänge Château Pibarnon (2006, 2005, 2004, 2003, 2001, 1998) sowie der Zweitwein “Les Restanques de Pibarnon” aus dem Jahrgang 2006 präsentiert. Das Wort “Restanques” so sagte man mir hat allerdings nicht damit zu tun, das man irgendwelche Reste verwertet, sondern kommt von der  altprovençalische Bezeichnung (restanco) für eine Terrasse, auf der z.B. Wein oder Olivenbäume wachsen. Genau so, wie man es sich überall in der Gegend anschauen kann, da in diesen teilweise extrem steilen Lagen dei Terrassierung erst den Weinbau ermöglicht.

Natürlich waren die jüngeren Jahrgänge 2005 und 2006 noch sehr tanninbetont, offenbarten aber schon ihr großes Potential. Der 2004er präsentierte sich in Bestform, als eleganter aber dennoch kräftiger Wein, der auch schon in diesem Verhältnismäßig jungen Alter getrunken werden kann, wobei er aber auch noch ein schönes Reifepotential bietet. Der 2003er hingegen fiel durch seine unglaubliche Üppigkeit auf, die ihn fast wie einen Likör wirken liess. Am überzeugendsten jedoch stellten sich der 2001er sowie der 1998er dar, die eindrucksvoll bewiesen, dass ein guter charaktervoller Rotwein eben seine Zeit braucht um seine wahre Größe zu entfalten! Bemerkenswert war vor allem der 98er der trotz seiner 10 Jahre noch sehr frische Tannine aufwies, die ihn garantiert auch noch über die nächsten 10 Jahre trinkreif halten werden. Der 2001er dagegen war schon von vollendeter Eleganz und erinnerte mit seiner Samtigkeit und seiner Rafinesse fast an einen großen St. Emilion.

Danach gingen wir dann zum gemütlichen Teil über: der Apéritif auf der Terrasse sowie das anschließende Mittagessen. Alleine schon der halbstündige Apéritif ersetzte einen kompletten Kurzurlaub. Es wurden gut gekühlte frische 2007er Rosés und Weißweine des Chateaus gereicht, zu denen man das atemberaubende Provencepanorama, die würzige Luft und das klare Septemberlicht geniessen konnte.

Die französischen Winzer legen immer größten Wert darauf ihre Gäste optimal zu bewirten um ihnen näherzubringen, welche Speisen zu ihren Weinen harmonieren, und wie sie sich quasi in ihrem “natürlichen Lebensraum” verhalten. Auch uns sollte auf Pibarnon diese Ehre zu Teil werden.
Den Anfang machte ein gemischter Vorspeisenteller, der passende Hors d’Oeuvres bot, die perfekt mit dem Rosé und dem Weißwein des Guts harmonierten: Riesengarnele und Jacobsmuschel zum weissen; Tarte Provencale aus Blätterteig mit Tapenade, Tomaten und etwas Käse, sowie ein Lammschinken mit Pistou und grünen Bohnen zum Rosé.
Als Hauptgang gab es Coquelet, den jungen Hahn, mit einer leichten Ratatouille zu welchem der 98er getrunken wurde. Anschliessend eine kleine Käseauswahl sowie ein Dessertteller rund um das Thema Macarons, zu denen noch verschiedene Jahrgänge auf ihre Tauglichkeit überprüft wurden.

Leider durfte danach aber keine Sieste unter einem Olivenbaum gehalten werden, da die nächste Verkostung inklusive Abendessen schon in St Tropez auf uns wartete…

Chateau de Pibarnon empfängt sie natürlich gern als Besucher. Sie können dort probieren, die Kellerei besichtigen, die Aussicht geniessen, vielleicht ein Paar spannende Geschichten hören und natürlich auch Wein kaufen, allerdings werden sie wohl auf das Mittagessen verzichten müssen…

Viel Spass dabei!

Monsieur Piper

Hier die Kontaktdaten:

Château de Pibarnon
Comte de Saint Victor

83740 La cadière d’Azur
FRANCE
Tél. +33 (0)4 94 90 12 73
Fax. +33 (0)4 94 90 12 98

email : contact@pibarnon.fr
http://www.pibarnon.com

DEGUSTATION A LA CAVE :
Tous les jours de 9h à 12h et 14h à 18h
Fermée le dimanche et jours fériés.

6. Oktober 2008

Bonjour tout le monde!

Kategorie: Allgemeines — admin @ 17:42

Herzlich willkommen zum neuen Blog von Monsieur Piper!
Er hat diese Plattform eingerichtet, um von seinen zahlreichen Erlebnissen als Sommelier und Wein- und Champagnerverkäufer in Berlin und von seinen Weinreisen zu berichten. Er möchte hier natürlich auch die Gelegenheit nutzen, Weine und Winzer vorzustellen, die ihm besonders gut gefallen haben. Natürlich wird dabei der Akzent auf Weine aus Frankreich gesetzt, da er sich ja fast ausschließlich mit solchen beschäftigt. Als Botschafter der französischen Lebensart wird Monsieur Piper natürlich auch über kulinarisches berichten und Anregungen zur geschickten Verbindung von Wein und Essen geben.

Bald werden hier auch die ersten Interviews mit Winzern, Kellermeistern, Händlern und anderen interessanten Weinpersönlichkeiten erscheinen. Feedback und Diskussionen sind dabei ausdrücklich erwünscht.

A bientôt!