C’est l’heure de l’Apéro!

C’est l’heure de l’Apéro!

Ein gepflegter Apéritif gehört in Frankreich und anderen südlichen Ländern zu jedem Anlass, bei dem Gäste empfangen werden dazu. Es kann sowohl im privaten Bereich sein, wie auch im geschäftlichen. Sollten Sie mal einen Geschäftstermin in Frankreich haben, wundern Sie sich nicht, wenn es mitten in der Besprechung gegen kurz vor 12 heißt „C’est l’heure de l’Apéro!“. Die Geschäfte können warten - der Apéritif nicht!

Es ist auch nicht unüblich seine Gäste nur auf einen „Apéro“ einzuladen, bevor man dann ins Restaurant geht (wo es dann sicher nochmal einen kleinen Apéro geben wird…).

Ein Apéritif soll im Wesentlichen dazu dienen, den Appetit anzuregen und Lust auf das Menü zu machen, welches sich im Idealfall anschließt. Natürlich hat der Aperitif auch eine soziale Komponente: bei einem Glas bricht schneller das Eis und die ersten Gespräche zwischen Gästen und Gastgebern können sich in ungezwungener Atmosphäre entwickeln. Es wird Ihnen allerdings niemand verübeln, wenn Sie nach dem ersten Drink dankend ablehnen, um dem vorzeitigen Mittagsschlaf aus dem Weg zu gehen.

Der Aperitif kann im einfachsten Fall aus einer Flasche Weiß- oder Roséwein bestehen. Ein frisch-herber Rosé aus der Provence ist hier eine gute Wahl, beim Weißen empfehle ich einen Muscat Sec aus dem Roussillon oder einen verspielten Gewürztraminer aus dem Elsass. Beliebt ist auch die prickelnde Variante als Crémant in Weiß oder Rosé. Soll es etwas gediegener zugehen nimmt man natürlich gerne einen Champagner. Besonders gut finde ich in der Situation einen Brut-Nature Champagner ohne Dosage. Das erfrischt und macht Lust auf mehr. Weißwein lässt sich mit Hilfe eines Tröpfchens Crème de Cassis im Nu zu einem Kir verarbeiten. Für die „Royal“ Variante ersetzt man den stillen Wein durch einen Schaumwein. Ein guter Cidre gibt ebenfalls einen perfekten Apéritif ab.

In vielen Französischen Wohnzimmern (und Büros) verbirgt sich gerne in einer Ecke eine kleine Apéritif-Bar. In diese gehören auf jeden Fall eine Flasche Pastis, dem traditionellen südfranzösischen Anisschnaps: der Klassiker ist hier sicher der Ricard, wobei es auch hier eine Vielzahl kleiner und feinerer Hersteller gibt, wie zum Beispiel der Pastis Henri Bardouin von den „Distilleries de Provence“. Andere Marken sind Anis de Pontarlier, Marie Brizard, Anisette Gras Floranis, Janot, Duval, Pastis 45 und viele andere. Was ich gar nicht empfehle ist Pernod, denn das ist einfach viel zu süß und von künstlicher Aromatik. Pastis muss auch eine gewisse Herbe haben.

Die Dosierung erfolgt nach persönlicher Vorliebe. Bewährt hat sich ein Teil Pastis auf 4-5 Teile Eiswasser. Danach kann man nach Belieben noch Eiswürfel dazu geben.

Andere beliebte Apéritifs sind weinhaltige aromatisierte Drinks und Vermouth wie zum Beispiel Noilly Prat, Lillet, Byrrh, Ambassadeur, Guignolet oder Dubonnet, sowie die klassischen gespriteten Weine: Muscat de Rivesaltes (Lunel, Beaume de Venise, Frontignan etc.), Pineau des Charentes, Floc de Gascogne, Ratafia, Pommeau und natürlich Portwein. Frankreich ist nicht umsonst einer der größten Importeure für Port! Ergänzt wird das ganze durch Liköre wie den Crème de Cassis oder die Pêche de Vigne, die sich zum Mixen eignen. Dazu gesellen sich andere mehr oder weniger „exotische“ Spirituosen, Bitter und Liköre: zum Beispiel Suze, ein sehr herber aber süßer Likör aus Enzian, der häufig mit Cassis gemischt wird.

Ganz harte Jungs trinken Whisky „on the Rocks“. Ich erinnere mich da an meinen ersten Geschäftstermin damals in Paris bei einem Verlagshaus morgens um 11: „was willst Du trinken?“ fragte der Chefredakteur und eine Schublade voller Whiskyflaschen ging auf... oh je!

Zum Apéritif kann man einige Kleinigkeiten reichen, von einfachen Salzcräckern, Oliven und Nüssen bis hin zu kunstvollen Fingerfood-Häppchen stehen der Phantasie hier alle Möglichkeiten offen. Dies ist aber kein Muss, denn schließlich gibt es ja bald Essen!

Also: wenn es nächstes Mal bei Ihren französischen Freunden, Kollegen oder Geschäftspartnern freudig heißt: „C’est l’heure de l’Apero!“, dann sind Sie nach der Lektüre dieses kleinen Artikels gut vorbereitet und können beherzt und genussvoll mitmachen! A la votre!

1 Comment

  • Jean Jacques

    27. Dezember 2016 at 10:10 Antworten

    Toller Artikel!

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